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Zwangsneurosen

Schwäbische Kehrwoche und Knausrigkeit *

Geld und Dreck

Die etwas andere Geschenkidee

... sind ein und dieselbe Geschichte. Sie gehören zusammen (1).
Dieser Charaktertyp ist gut erforscht; es handelt sich um den Zwangscharakter. Jeder kennt die kleinen, milden Formen von Zwangshandlungen, die oft in der Pubertät verschwinden, Zähl- und Symetriezwang, die bestimme Steinplatte auf dem Bürgersteig, die auf dem Schulweg übersprungen werden muss, um keine Fünf einzufangen, die Laterne, die zu umrunden ist, die Hosen, die abends in bestimmter Weise über der Stuhllehne gefaltet liegen müssen, der Schornsteinfeger oder das Glückschweinchen, das unbedingt im Auto hängen muss, weil es vor Unfällen schützt, und ähnliche Marotten, hier ein paar Beispiele. Das Fehlen solcher Glücksbringer bzw. die Verhinderung solcher Zwangshandlungen kann starke Gefühle, schwere Unruhe, ja Angst erzeugen. Man beobachte nur mal einen strenggläubigen Muslim, der an seinen vorgeschriebenen Gebeten gehindert ist ... 

Selbst harmlos erscheinendes Lottospielen wird oft zwanghaft ausgeübt. Wieviele haben sich durch ihre "Glückszahlen" gefangen? Einmal begonnen eine bestimmte Zahlenreihe zu tippen, MÜSSEN sie ihr Leben lang damit fortfahren - nie dürfen sie den Termin versäumen - denn es sind eben die Zahlen, die todsicher irgendwann mal das große Los bedeuten - meinen sie.

Bei willkürlich und immer unterschiedlich gewählten Zahlen zu jedem Lottotermin wär das nicht der Fall. Der Spieler könnte problemlos auch mal aussetzen.
Statt sich die Dinge anzueignen und sich untertan zu machen, geschieht es umgekehrt: die Dinge beherrschen den Menschen, den Kopf. Ihnen wird Macht zugeschrieben, die sie nicht besitzen. Ohne im Auto baumelnden Schornsteinfeger oder Glücksschwein kann man nicht einsteigen. Es würde sonst etwas passieren.
So bekreuzigte sich eine spanische Oma, die der Verfasser einst auf Bitte eines Caféhausbesitzers mit ins nächste Dorf nahm, zunächt mal vor dem Einsteigen ins Auto. Somit was sie geschützt. Ohne Bekreuzigung hätte sie Angst gehabt. Das ist bekannt als magisches Denken, typisch für Kinder und ein Quell aller Religionen.
Kinder müssen Innen- und Außenwelt erst trennen lernen. Ein Kleinkind, das sich am Tisch gestoßen hat, wird steif und fest behaupten, dieser habe es gehauen.
Man beachte auch mal die hier nebenstehend erscheinenden einschlägigen Anzeigen über Google. Wobei anzumerken ist, dass Google mit der Seite nicht mehr klarkommt, mal wird Esoterikkram angeboten, dann Partnerschaftskrisenbewältigung, schließlich Dünger, usw.

Auch das Sammeln von Dingen gehört zum Zwangscharakter, das Aufhäufen, Akkumulieren, Festhalten, Nicht-Lösen-Können von Gegenständen bzw. Geld (s. dazu auch den erwähnten Artikel von Berthold Rothschild)Ende der einstigen Freigiebigkeit, der Mildtätigkeit, des Spendens, des Almosens, des Teilens und letztlich der Gastfreundschaft, wie fürs Mittelalter typisch. Und nicht nur das. Damit ging auch viel Lebensfreude verloren, denn alles was weder Nutzen hatte noch Geld eintrug, war auf einmal Verschwendung und verpönt. Schluss mit lustig, mit Festen, Prunk, Kartenspiel, Tanz ...  Her mit der Sittenpolizei!

Die persilbewehrte Hausfrau hat in den Fünfzigern das fortgesetzt, was einerseits auch mit ein Grund für die Katastrophe war, andererseits aber auch wirtschaftliche Stärke und Wohlstand ermöglicht. Sie wusste es aber auch nicht anders. Es versteht sich, dass sich mit Völkern, bei denen oben genannte Qualitäten vorherrschend sind, wunderbar Fabriken aber auch KLs (2) betreiben lassen. Was ist ein KL? Na, die logische Abkürzung  für Konzentrationslager, oder würde irgendjemand "Volkswagen" als VK o.ä. abkürzen wollen? Noch nie bemerkt? (3).
Der Journalist Jürgen Schübelin über die berüchtigte deutsche freikirchliche Colonia Dignidad (Kolonie der Würde): "Das ist der Name eines kleinen faschistischen Modellstaates in der südchilenischen Provinz, umgeben von Stacheldraht, Wachtürmen, Stolperfallen - autark, aggressiv und schwer bewaffnet.
Nirgendwo wird dem Prinzip Sauberkeit so gehuldigt wie in Dignidad. Wer etwas verschmutzt oder zerbricht, wird bestraft. Wer „unreine“ Gedanken hegt, wird dafür geprügelt und mit Elektroschocks gefoltert“.

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1.) Hier ein Link zu einer Grenzerfahrung, dem Verhältnis zum Dreck, zwischen dem protestantischen Holland und dem katholischen Belgien - obwohl Niederländer und Flamen ja nun ein Volk sind und erst seit dem spanisch-habsburgischen Krieg von (ca. 1560 bis 1648) getrennte Wege gingen. Aber das war ja genau der Kern: das katholische, feudal strukturierte habsburgische Spanien, das nur Raubbau in Lateinamerika kannte und nichts mit seinen Schätzen anzufangen wusste und die protestantischen, kapitalisch orientierten, handeltreibenden und investierenden niederländischen Provinzen. Am 11.5.10 zeigte Arte einen Beitrag über die Müllpolizei in Brüssel, wo zum 1. Jan. die Mülltrennung eingeführt wurde. 210 Euro Strafe für einen zu früh auf die Straße gestellten Müllsack, über 100 Euro für einen abgestellten kleinen Läufer. Ganze Stadtviertel werden auf der Suche nach Sündern mit zig Bediensteten durchkämmt. Das passt zu dem, was auch über Frankreich dargestellt wird. Eine beschleunigte, rigorose Anpassung der Köpfe.
2.) "Helmut Schmidt spricht weiter von Pflichtgefühl, Berechenbarkeit, Machbarkeit, Standhaftigkeit. Das sind Sekundärtugenden. Ganz präzis gesagt: Damit kann man auch ein KZ betreiben.“ stern, v. 19.7. 1982.
3.) Die Umbenennung in KZ erfolgte 1934. Warum? Aus psychologischen Gründen, um mehr Schrecken zu verbreiten. Es klingt schärfer, bedrohlicher. Die Erfinder dieser Institution waren übrigens die Briten, wo sie die Buren Ende des 19. Jhs in KZs steckten bzw. die Ureinwohner in Australien usw.
So, nun überliegen Sie, warum Industrie, Medien und Politik - selbst einige anscheinend verblödete oder gekaufte Grüne (!) - von "Kernkraft" statt von Atomkraft reden. Von wegen knackiger Äpfel ... die dann auch noch in einem "Park" - voller zwitschernder, bunter Vögel vielleicht - gelagert oder beerdigt werden sollen.

* Die Schwaben waren übrigens lange Zeit lutherisch gewesen; sie sind´s großenteils heute noch.