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Zwanghaftes Waschen

Ordung muss sein

Händewaschen, Klinkenputzen und mehr

Zufällig lief unlängst im Freiburger Wallgrabentheater ein Stück über den berüchtigen Kindermörder Jürgen Bartsch, im katholischen Internat zwar nicht jesuiten- aber salesianer- und zudem adoptivmutterbegrabbelt, in dessen Kindheit "Dreckwahn" eine prominente Rolle spielte. Der Fall Bartsch erregte in den Sechzigern großes Aufsehen. Man gebe einfach mal den Namen bei Google ein (1). Seine Adoptivmutter beschäftige eigens ein Mädchen, um das Kleinkind seinerzeit zu säubern, weil dabei starke Ekelgefühle auftraten. Andererseits wurde er noch mit 19 Jahren von ihr in der Badewanne "gewaschen". Also: stärkste Abwehr an einer Stelle, aber dann wieder Interesse, wo keines hingehört.

Ähnliches zeigt die Eingangszene im Film Aviators, wo der unter Waschzwang leidende Howard Hughes - einer der reichsten Männer seiner Zeit - ebenfalls von seiner Mutter im Alter von vielleicht 12 Jahren in der Wanne gewaschen wird. Man sieht den Knaben von hinten, stehend, das Gesicht der Mutter vor ihm etwa auf Höhe der entscheidenden Stelle. Sie erzählt ihm von Ansteckungsgefahren, Krankheiten, Bakterien usw. Die Szene wird zu Ende des Films wiederholt. Ein offensichtlicher Fall von Missbrauch.
Es gibt eine Episode im Film, wo er sich tagelang einschließt und in seinem Siff fast verkommt. Also eine völlige Umkehrung der "normalen" Situation, wo er vor allen Bakterien fortrannte. Auch sein "Klinkenputzzwang" ist ein bekanntes Symptom seiner Krankheit. Sie müssen vor Berührung erstmal abgewischt werden. Aus Angst vor einer Ansteckung gab er auch niemandem die Hand (2).
Walt Disney ist ein weiterer bekannter Fall: 30 Mal in der Stunde konnte ihn sein Waschzwang zum Waschbecken treiben.

Popokontrolle

Henry Ford, Sauberkeitsfanatiker und Verfasser des Buches „Der internationale Jude. Ein Weltproblem“, war nicht weit davon entfernt. In seiner utopischen Stadt Fortlandia im brasilianischen Dschungel, funktionierte nicht nur alles präzise nach der Uhr, nein, selbst beim Aufhängen der Wäsche galten Richtlinien. Er schickte sogar Aufseher in die Behausungen seiner Arbeiter, um anhand des Verbrauchs von Toilelttenpapier, das seine Firma zur Verfügung stellte, zu kontrollieren, ob sie sich auch ordentlich den Popo putzten (sic!). 
Auch sonst herrschten Zucht und Ordnung. Setzte sich mal jemand hin, um auszuruhen - 36 Grad Hitze bei extremer Luftfeuchtigkeit - so kam gleich ein Aufseher angerannt, zwölfmal täglich heulten die Sirenen bei Schichtwechel. Es galt ein Rauch- und Alkoholverbot, und nur "züchtige" Tänze waren erlaubt, dafür gab es aber Lyrikrezitationen und Tanztees für die Arbeiter, auch interessante Filme, vorzugsweise solche über die Fordwerke mit ihren Bändern (3). Es herrschte eine totale Überwachung. Jeder Arbeiter trug ein Ford-Schild u. eine Nummer, mit der er auch gerufen wurde. Aufstände gegen sein seltsames repressives System ließ er durch brasilianisches Militär niederschlagen.

Alle außergewöhnliche, höchst erfolgreiche, aber doch sehr kranke Menschen.

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1.) Hier das Buch des Amerikaners Paul Moor über den Fall: Jürgen Bartsch - Selbstbildnis eines Kindermörders.
2.) Ärzte kennen solche und viele ähnliche Zwänge bei Patienten. So gibt es Leute, die nie in Urlaub fahren können. Warum? Nun, sie könnten nur ihre eigene Toilette benutzen. Sind sie ausnahmsweise mal zum Aufsuchen einer fremden gezungen, so muss erstmal ordentlich gewienert und desinfiziert werden. Mitmenschen bleiben solche Eigenheiten meist verborgen, werden sie bekannt, so werden sie als bloße Marotten abgetan.
3) Fords Bewunderung für den österreichischen Saubermann und seine Affinität zu dessen sauberem System führte auch zu feiner Lyrik.
So war im April 1940 in der Hausgazette der Fordwerke Köln zu lesen gewesen:
Führer
Wir haben Dir einmal geschworen,
Nun sind wir auf Immer Dein.
Wie Bäche im Strom verloren
Münden wir in Dich ein.
Auch wenn wir Dich einmal nicht fassen,
Werden wir mit Dir gehn.
Einst wirst Du uns schauen lassen,
Was Du vor uns gesehn.
Herzen wie erzene Schilde
Haben wir um Dich gestellt.
Und es ist uns, als hielte
Gott durch Dich seine Welt.