Lassez-faire oder Verlässlichkeit
Schlampereien, Chaos oder Planung und Vernunft
Südländische Lebensfreude:
Was du heute kannst besorgen, das verschiebe bloß auf morgen
Siegbert Isbrecht lebt in Griechenland, Afrika, und hat ein eigentlich ganz amüsantes, liebenswertes Buch über die Eingeborenen, ihre Sitten und Gebrechen und das alltägliche Chaos verfasst. Interessant für alle Urlauber als Hintergrundwissen. Dort ist zu lesen, dass jeder Haushalt rund 1300 Euro für "Handsalbe" berappe - alljährlich! Die diene zum Schmieren ... Das muss man sich mal vorstellen: Alljährlich 1300 Euro Schmiergeld zurücklegen zu müssen, um an irgendwelche Dokumente oder Rechte zu gelangen.
Ähnliches berichtet der Auswanderer Denis Freybote über Peru, Südamerika, größtenteils auch Afrika, Tausende von Kilometern entfernt, aber irgendwie handelt es sich doch um eine Geschichte. Die Beobachtungen sind weitgehend dieselben.
Als brave Bürger haben wir gelernt, dass es sich bei unseren - negativen - Urteilen über andere stets um Vorurteile handle, es ja auch andere Individuen gebe, die anders seien usw. Dies deshalb, weil wir in einem zusammenwachsenden Europa auf Harmonie und Toleranz getrimmt werden und möglichst nirgendwo angeeckt werden darf. Irrtum - bei näherem Besehen sind die Vorurteile häufig Urteile - sie stammen aus unseren Erfahrungen - so dass beim Wort "Vorurteile" gleich erst immer die Warnlichter angehen. Wer will hier wem was, wozu und in wessen Interesse erzählen? Verlassen wir uns auf unsere Sinne und Erfahrungen (1).
Solange unsere "Vorurteile" positiv ausfallen, wendet seltsamerweise niemand etwas ein. Die Südländer seien offen, warm, gastfreundlich, herzlich, weniger steif als wir. Die ganze Zeit reden wir so über andere Völker. Die Briten hätten einen tollen Humor, die Amerikaner seien hilfsbereit usw.
Die politisch-korrekte Trimmerei geht sogar soweit, dass sogar die herkömmlichen Bezeichnungen für ganze Völker verschwinden sollen, nicht weil diese selbst verschwänden, nein, weil sie sich z.B. eine neues Etikett geben wollen bzw. weil irgendwelche Gutmenschen meinen, sie müssten anders heißen. Beispielsweise sollen wir ihre Angehörigen quasi mit "Adjektiv+Mitbürger" umarmen. So will der Duden, der sich seit geraumer Zeit zum Moralapostel aufspielt, statt z.B. neutral die Schreibung von Wörtern vorzugeben und sonst nichts, wie man es von einem wissenschaftlichen Werk erwartet, das Wort "Türken" gemieden sehen, korrekt sei türkische Mitbürger. (2)
Bewunderung bis Abneigung
Die Deutschen also. Schwierig sich selbst zu beurteilen, denn wir sind natürlich die Normalos, die andern sind´s, die ... und da wir alle aus demselben Stall stammen, sind wir uns alle einig. Dennoch: Wie sehen andere uns?
Unlängst ging das Ergebnis einer Umfrage durch die Gazetten, nach der die Deutschen in der Beliebtheitsskala ganz oben lägen.
Das ist kaum glaubhaft. Nach aller Erfahrung gelten sie eher als sehr direkt, ohne Fingerspitzengefühl, tölpel- bis rüpelhaft und rechthaberisch. Die anderen zollen ihnen Achtung, aber sie richtig mögen, nein, das tun sie nicht (3).
Schon die Sprache klingt in englischen Ohren beispielsweise arg guttural. Deutsche Mädchen und Frauen tönten nach Treckern, nicht nach Weiblichkeit, versprühten den Charme von Dampfmaschinen oder ... Panzern, heißt es. Engländerinnen haben eine eine höhere Stimmlage, die Sprache "fließt", beim Italienischen oder Französischen handelt es sich um weiche, melodiöse Sprachen. Des Autors verflossene englische Liebe fomulierte eine Aufforderung zu einem Spaziergang in den Park so:
"Are you sure, you don´t want to come to the park with me?" Bäte man einen Schüler um eine Übersetztung, so käme Folgendes heraus: "Bist du sicher, dass du nicht mit mir im Park spazierengehen willst?" Steht ja da. Aber nein, das ist es nicht. Das ist weder Deutsch, noch das, was gemeint ist. Es heißt: "Komm mit mir in den Park", "Kommste mit ...?" oder etwa milder: "Hast du Lust ...?" Diese Aufforderung ist in eine Frage gekleidet, negativ gewendet und enthält zudem noch etwas Vages, so dass der andere Reißausnehmen kann (are your sure?).
Im Deutschen wird etwas gesagt, festgestellt, behauptet, was solange gilt, bis etwas anderes bewiesen ist. Im Englischen wird alles in Frageform gekleidet, im Konjuktiv formuliert oder mit einem "nicht wahr" versehen. Don´you think that ...., Wouldn´t it be possible ... Are you sure that ... usf. usf. Fortwährend stellt der Sprecher seine Meinung, selbst in Frage, bereitet Widerspruch vor, lässt Interpretationen zu und weitere Möglichkeiten offen. Und dann die zahllosen "bitte", die "please", die kein Deutscher anfangs beherrscht. Es ist klar, das man als Deutscher also leicht anecken kann und dementsprechend bewertet werden wird.
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1.) Zur Illustration: Ein Jahr vor Sarazzins Buch erregte in Frankreich Eric Zemmour, Journalist, durch sein Buch "Mélancholie Française", Aufsehen. Er sagte Sätze, die auch viele Gutmenschen hier zum Hopsen brächten, z.B.: "Die Polizei kontrolliert die Araber und Schwarzen mehr als andere, weil die meisten Drogenhändler arabisch und schwarz sind". Dazu der Autor in "Die Zeit", 15.4.10, Der Reaktionär v. Dienst, Gero von Randow: "Verlässliche Statistiken existieren nicht. Aber man kann Gerichtsgebäude besuchen, um sich von der kriminologischen Korrektheit des zweiten Halbsatzes zu überzeugen." Dem Autor, der diesen Satz bei einer Diskussion im Büro zitierte, entgegnete ein Mitarbeiter: "Ja, das Vorurteil stimmt (sic ?!), aber man muss die soziale Lage ...". Ja, kann man, aber muss man das? Vorurteil? "Die Polizei .....". Punkt. Mittlerweile haben Thilo Sarazzin mit Deutschland schafft sich ab und Kirsten Heisig mit Das Ende der Geduld: Konsequent gegen jugendliche Gewalttäter, allerdings einiges enttabuisiert.
2.) Der Eiertanz um die treffenden Begriffe und Namensnennung führt zu absurden Verschleierungen und Verschleierungen. So halten u.a. heute Jugendliche "reisende Einbrecher" in Presseberichten für Touristen, die nebenher ein bisschen klauen, weil der Deutsche Presserat per seinem Pressekodex die Nennung von Ross und Reiter verbietet, s. auch vorgenannte Quelle. Wiki schreibt dazu: "Dass die Zugehörigkeit von Verdächtigen oder Straftätern zu Minderheiten nur erwähnt werden darf, wenn sie für* das Verständnis der berichteten Straftat ausschlaggebend ist, wird als bevormundend kritisiert, da dieses Veröffentlichungsverbot nicht von der Wahrheitspflicht oder den grundgesetzlichen Einschränkungen der Pressefreiheit gedeckt sei." Der Leser wird gar nicht mehr richtig informiert - und merkt es nicht.
Auch "Der Rörich" (Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten), das Referenzwerk, quasi ein wissenschaftliches Buch, nimmt Angehöriger einer ganzen Konfession aus, s. auch die vorgenannte Quelle v. Prof. Ickler. Was ist das, wenn nicht Manipulation, Ausblendung von Realitäten aus ideologischen Gründen?
(* Die Wiki-Leute, die natürlich auch kein Deutsch mehr können, meinen vermutlich nicht "für das Verständnis ..." sondern "zum Verständnis ...")
3.) Ja, wir können uns oft selbst nicht leiden, siehe das seltsame Verhalten zueinander, z.B. im Urlaub.



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vor 25 Wochen 2 Tage