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-Sein wie das Miststück oder Pferdeäpfelrache?

Identifikation mit dem Aggressor

Schutz durch Selbstverleugnung und völliger Unterwerfung

Wie ein Hündchen ... Kriechen vor dem Patriarchen

Diese Spannung ist nicht auszuhalten. Wie kann es reagieren? Eine Art des psychischen Überlebens liegt in der Unterordnung und Selbstaufgabe, wie Hiob mit seinem Widerruf, d.h. Gebote u. Verbote werden akzeptiert; das Kind identifiziert sich mit dem Vater, wird wie er, ein Dublikat des Alten. Damit ist es in Sicherheit, hat sich gerettet. Jeder kennt solche Kinder. Man sieht die Orgelpfeife neben dem Vater stehen und erkennt: der Knabe ist ein Klon.
Der Verfasser verbürgt sich für folgende Geschichte, die sich vor rund 20 Jahren zugetragen hat, denn Zeugin ist die Mutter eines ehemaligen Mitarbeiters. Sie machte mit ihrem Mann damals Renovierungsarbeiten, u.a. auch bei Abdullah Öcalan, dem Chef der kurdischen PKK, der in Freiburg-Landwasser wohnte. Während der Arbeiten kam ein Sohn Öcalans, ca. 12 Jahre, von der Schule nach Hause, ging neugierig durch den Flur und unterhielt sich in dem Raum, wo die Arbeiten stattfanden, mit besagter Mutter, also einer Frau und noch obendrein einer Ungläubigen. Nach einer Weile rief Öcalans den Jungen zu sich, warf ihm ein Stück Brot vor die Füße, das dieser mit dem Mund vom Boden aufnehmen musste, um ihm schließlich auch noch die Füße küssen zu müssen!
Unvergessen auch der Film Padre Padrone, nach der Lebensgeschichte von Gavino Ledda. Als der Vater den Jungen aus der Klasse holt, um ihn auf Jahre in die Berge zum Ziegenhüten zu stecken, steht dieser voller Furcht auf und nässt in die Hosen. Die anderen Jungen sind am Ende alle verängstigt, weil ihnen ähnliches droht. Einer wünscht seinem Vater den Tod. "Gott, lass ihn sterben. Wenn du es tust, werde ich dir ewig gehorchen." Der Esel soll ihm einen Huftritt in den Bauch verpassen, besser noch an den Kopf, dann sterbe er so rasch, dass er´s gar nicht merke. Hier ein weiterer Filmauszug mit einer Prügelszene, wo der Knabe zunächstmal zuschauen darf, wie der Vater die Gerte zurechtschneidet, mit der er ihn verprügeln wird. Zu Ende, bewusstlos, wird der geschundene Junge vom Vater in die Arme genommen und sanft gewiegt. Ein größerer Gegensatz ist kaum denkbar, erst die Prügel, Sadismus, Gewalt, dann Liebkosung, Verzeihen, Gnade oder wie auch immer. Das ist die Erfahrung von Hiob, nicht mehr die unsere in dieser Schärfe, aber von Generationen zuvor. Auch mitten in unser Gesellschaft, s.o., spielt sich Ähnliches ab.
Kind werden "gebrochen"; und das war ja auch lange Zeit Erziehungsziel: der Wille muss gebrochen werden, ein Prinzip, das z.B. in allen Fürsorgeeinrichtungen der Diakonie bis in die sechziger Jahre galt (1). Noch so mancher - sadistische - Hundehalter faselt  heutzutage derartiges Zeugs, denn Hunde waren "abzurichten".

Diese Geschichte ist bekannt als die Identifikation mit dem Aggressor, ein Verhalten, wie es z.B. auch von priviligierten Gefangenen in Lagern, wie Kapos in Konzentrationslagern bekannt ist, die sich nicht nur mit ihren Peinigern identifizierten statt sich mit ihren Leidensgenossen zu solidarisieren, nein, im diese sogar noch aus eigenem Antrieb und ohne Befehl oder Notwendigkeit quälten. Einer größeren Öffentlichkeit wurde diese Identifikation unter der Bezeichnung Stockholm-Syndrom bekannt. Ferner wird dieser entsetztliche, allmächtige und allwissende Vater verdrängt und an den Himmel geblasen. Dort - nun dem Bewußtsein, der Erinnerung und Veränderung entzogen - verharrt er als in der Kindheit festgefrorenes Wahngebilde. Das macht es auch so schwierig, eigentlich unmöglich, mit Religiösen zu diskutieren, daher auch diese seltsame Atmosphöre, die sich verbreitet, wenn man in Gesellschaft auf religiöse Fragen zu sprechen kommt. Es gilt als ungehörig, "peinlich" im wahrsten Sinne des Wortes, es rührt tief an irrationale kindliche Ängste und Erfahrungen. Und diese sind kollektiv; alle haben sie durchlebt. Religionen sind immer standardisierte, normierte Gebilde und stets kollektiv. Eine einzelnes Individuum, das mit derartigen Wahnbauten hausieren ginge, würde eingesperrt werden.
Nur: war die Erde eine Scheibe, nur weil viele es 1500 Jahre glaubten? Wird der Krebs dadurch zur Nichtkrankheit, weil alle heute an ihm sterben? Wird der Wahn deswegen "gesund", weil viele ihm verfallen sind?

Nicht nur immer lesen! - Tollen Mist ordern!

Da ein Teil der Psyche Religiöser "ver-rückt" und ihre Urteilsfähigkeit gemindert ist, kann man nicht mit ihnen rational diskutieren. Sie sind von ihrem Gott fremdgesteuert. Nie darf man sich auf Diskussionen, wer da was was gesagt, prophezeit oder getan hätte, einlassen. Packen kann man sie nur mit mit Fragen, die den Kern treffen - ihre Sexualität. Wer sich auf sie einlässt, hat immer einen Dritten dabei: ihren Gott.

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1.) So ist bei Deutschland-Radio zu lesen:
"Es war ein sehr altes, theologisch-pädagogisches Konzept, das auf August Hermann Francke zurückgeht. Man muss den alten sündigen Menschen brechen und den neuen gottgefälligen erziehen."
Der Pietist August Hermann Francke, geboren 1663 in Lübeck, gestorben 1727 in Halle, war ein evangelischer Theologe und Pädagoge. Er gründete die Franckeschen Stiftungen in Halle. Er schreibt Anfang des 18. Jahrhunderts:
"Der Zweck der Erziehung ist es, die Seelen vor dem Verderben zu retten. Dahin sollte bei aller Erziehung die größte Sorge gerichtet werden, dass der Mensch aus den Schranken seines verderbten und zu allem guten ohnmächtigen, natürlichen Wesens herausgerücket und in einen ganz anderen und besseren Stand gesetzt werden möchte."
Die grundsätzliche Ausrichtung ist sicherlich eine von der Erweckungsbewegung geprägte gewesen; eine große Frömmigkeit und eine ausgeprägte Gehorsamsstruktur sind sehr dominierend. (…) Die Leitung legitimiert sich sozusagen von Gott her oder andersherum gesagt: wer gegen die Leitung opponierte, wurde grundsätzlich gefragt, ob er denn den notwendigen Gehorsam seinem Herrn Jesus aufzubringen auch in der Lage wäre (…) und da ist für einen Christ schwer, dagegen zu opponieren.
Die Voraussetzung jeglicher Erziehung lautete für August Hermann Francke:
"So ist am meisten wohl daran gelegen, dass der natürliche Eigenwille gebrochen werde. (…)
Denn darum heißt Jesus Christus unser Herr, dass wir nicht mehr unser Eigen sein, noch nach unserem Willen leben dürfen."
Dahinter sitzt das Modell, dass der Mensch grundsätzlich sündig ist, und der freie Wille auch Ausdruck mangelnder Demut ist und der christlich zu erziehende Mensch einer Brechung bedarf, also man muss ihn von seiner sündigen Grundstruktur überzeugen und dann erst kann man den neuen gottgefälligen Menschen heranbilden.
Das theologisch-pädagogische Konzept Franckes war bis in die 60er-Jahre des 20. Jahrhunderts die Grundlage in fast allen evangelischen Fürsorgeeinrichtungen - und auch in der Diakonenausbildung wie in Bethel.