Vögelnder Jesus
Der Herr sündigt
Kürzlich erschien ein erhellender Artikel dazu im Der Sonntag, die ganze S. 3, "Der Weg aus der Hölle".
Darin steht:
Der Zwang kreist meist um Sex und Schmutz, Gott und Tod. Untersuchungen zeigen ... dass es zu allen Zeiten und in allen Kulturen die tabuisierten Bereiche sind, in denen der Zwang sich abspielt.
Die Betroffenen erleben es als besonders schlimm, dass der Zwang sich Inhalte sucht, die konträr zu ihrem eigenen Werten stehen. Wer sehr religiös ist, fühlt etwa den Drang, sich Jesus Christus in obszönen Szenen vorzustellen, wer seine Mutter besonders liebt, fürchtet, ihr etwas anzutun, wer großen Wert auf korrekte Umgangsformen legt, kann sich kaum beherrschen, seinen Vorgesetzten nicht übel zu beleidigen. Peinigende Scham und tiefe Schuldgefühle sind meist die Folge.
Anderthalb Millionen Deutsche würden darunter leiden, heißt es. Das ist ordentlich, angesichts dessen, dass Kinder dabei ja wohl ausscheiden und zudem eine hohe Dunkelziffer bestehen dürfte (1).
Es ist klar, das sich die betroffenen Personen gegen ihre Peiniger wehren wollen, den Konflikt aber nicht lösen können, hin- und hergerissen bleiben, die Mutter nicht wirklich lieben, sondern eher hassen, aber eben meinen, sie lieben zu müssen. Denn das ist die gesellschaftliche Norm. Ähnlich dürfte der Zusammenhang bei Tourette-Syndrom sein, wo bei einer Art Kurzschluss das wirklich Gedachte ungefiltert hervorbricht (Koprolalie).
-----------------
1.) Den ganzen religiösen Ritualen haftet etwas Zwanghaftes an, das Rosenkranzbeten, die auffällige Wipperei von Juden beim Gebet u.ä. Die Konflikte, die sich in den Zwangshandlungen und Vorstellungen in dem erwähnten Artikel äußern, zeigen eben, dass die "eigenen Werte" doch nicht die eigenen sind. Sie sind kulturell übergestülpt, ÜBERICH. Die Integration ins ICH ist misslungen. Die Anforderungen des ES, der Triebstruktur, brechen sich Bahn. Dem Vorgesetzten, der Mutter, dieser ewig ermahnenden, verbietenden Nörgeltante aus der Kindheit, möchte man lieber an den Hals, als zu kuschen, den triebunterdrückenden Jesus loswerden und stellt ihn sich dabei vor, womit er und sein Vater einen am ärgsten quälen. Die ödipalen Zusammenhänge von Hass und Liebe gegenüber den Eltern brauchen hier nicht ausgewalzt werden. Als Anlaufstelle zu den beschriebenen Syptomen wird übrigens auch die Deutsche Gesellschaft Zwangserkrankungen genannt.


Neueste Kommentare
vor 25 Wochen 2 Tage