Geschenke mit Geschmack - Lieber tot als tafeln
Essen ist Mist - neue Geschmacksrichtung: glibschig
Hier eine kleine Szene:
Das Gör, 112 Jahre, war mit seinem Vater beim Ross. Hat draufgehockt, war glücklich. Hinterher Einkehr in einer Landgaststätte hinten im Attental bei Freiburg, das "Café Faller". Richtige, ehrliche und bodenständige Küche, darunter wundervolle Bratwürste, nicht die hier üblichen weißen, dicken Kalbsbratwürste, sondern feinere, selbstgemacht, schön gebräunt, Brägele (Bratkartoffeln), Zwiebeln, wie man sie sonst nur in der ehemaligen Turn und Taxis´schen Posthalterei in Emmendingen findet.
Der Papa erzählt bei der Essenswahl, ja, er esse eigenlich alles, nur Auberginen nicht, die schmeckten ihm nicht, er wisse auch nicht, sie seien so flutschig.
Der Verfasser hält das Maul.
Die Tochter beginnt im Essen rumzustochern, versucht mal vorsichtig die Brägele, lässt die Zwiebeln völlig links liegen - welches weibliche Wesen fürchtete nicht die Folgen? - und schnibbelt nach Aufforderung des Verfassers doch endlich mal die tolle Bratwurst zu probieren, an dieser herum. Er unterhält sich weiter mit dem Papa, bemerkt aber, dass die Essensaufnahme stockt. Das Balg versucht die Pelle von der Wurst abzuziehen und beginnt ein Massaker.
Das Auge isst mit, die Angst auch
Der Verfasser fragt nach dem Grund. Antwort: Die Wurst schmecke nicht. Er bohrt nach: Was, wieso? Das Gör dreht und windet sich, versucht zu entkommen. Eine derartige freche, zudringliche Frage hat ihm noch niemand gestellt. Nun, sie schmecke "glibschig". Auf die Frage, wie denn der Geschmack von "glibschig" genau sei, weiß es keine Antwort.
Der Papa, sonst im Leben nicht auf den Kopf gefallen und auch keineswegs für den Schaden im Hirn dieses Kindes direkt verantwortlich, weil es bei seiner Mutter in Berlin haust, schaltet sich schützend ein: ja, der eine möge eben dieses, der andere jenes; man müsse ja nicht alles essen.
Nee, muss man nicht, aber kann man. Es sind LEBENSMITTEL - davon leben wir, und davor sollten wir Achtung haben - und alles was in Europa normalerweise auf den Tisch kommt, kann auch verzehrt werden, selbst wenn es mal nicht die Lieblingsspeise ist. Was soll´s? Macht doch nichts. Was soll der Mist? Runter damit! Fertig!
Es geht aber um etwas anderes: flutschige, braune Auberginen, glibschige, braune Bratwürste. Also bitte!
Der Papa ist übrigens Autor eines berühmten, feinsinnigen, fast schon lyrischen Buches über Südamerika, eine wundervolle Reisebeschreibung mit bemerkenswerten Beobachtungen, poetischen Naturbeschreibungen in Hülle und Fülle und scharfzüngigen Kommentaren, das sich sofort jeder zulegen muss, will er nicht als Miststück gelten. Es heißt Briefe aus Südamerika - Indianerherzen, wandelnde Bäume und rotlackierte Möpse, und inspirierte den rezensensierenden Fatzke der FAZ, sicherlich einen knöchernen, pensionierten Studienrat alter Schule, zu folgender Einleitung: "Das Unheil fängt schon gleich beim Titel an". Keinen Schimmer hat er, das Miststück.
Buch und Mist bestellen nicht vergessen!
Gute Küche - Mensakarten und Restaurantgutscheine schenken
Andere Szene, Freiburger Mensa.
Ein Freitag, Fischtag, an dem der Herr kein Fleisch mag. Flugs dichtet der Katholizismus, der immer einen kleinen Ausweg weiß, was ihn dann auch sympathisch macht, den Fisch zum Nichtfleisch um - Gemüse vielleicht? - denn die Mönche haben Kohldampf.
Alle wählen Fisch, nur einer nicht. 
Nein, er esse alles, nur Fisch nicht. Er wisse auch nicht, aber der schmecke nicht. Das "ich weiß auch nicht" erscheint in solchen Fällen immer wieder, s. auch oben.
Der Verfasser weiß es, aber hält´s Maul, lässt fünf Minuten verstreichen. Dann schlägt er zu.
Wie beiläufig regt er ein Spiel an, um etwas auszuprobieren, nämlich die freie Assoziation. Der Fischverweigerer weiß nicht, was assoziieren bedeutet, also wird´s erklärt:
Ich sage ein Wort, und du sofort eins hinterher, das dir gerade einfällt, alles in rascher Folge, wie aus der Pistole geschossen. Sonne > Mond, Wasser > Feuer usw., so an die zwanzig, dreißig Wörter, bis das Denken, die Wachsamkeit, die Polizei, der Wauwau im Kopf, ausgeschaltet sind, ein Kurzschluss im Hirn entstanden ist.
Dann kommt´s: Fisch = Sch... *
Wer das selbst ausprobieren will, achte auf einen genügenden Vorrat an Wörtern. Immer muss die Silbenzahl mit dem des anstößigen übereinstimmen, die Stimme darf sich nicht verändern, denn sonst könnte der Kurzgeschlossene aufwachen. Am besten erst einen kleinen Probeversuch starten, dann neu beginnen und eine Liste von vielleicht 30 vorher erstellten Wörtern fix herunterrasseln, auch in beliebiger Reihenfolge aus der Liste gewählt, denn der Getestete vermutet, dass das dicke Ende eben zu Ende kommt. Er sollte die Liste möglichst nicht sehen können, damit er nicht sieht, wo sich der Vorlesende bewegt. Halten Sie sie unter verdeckt unter unter die Tischkante, schauen Sie den Assoziierenden nicht an.
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* In den USA beispielsweise wird man abgesehen von ausgesprochenen Feinschmeckerlokalen nie, nie, nie einen Fisch mit Kopf oder Schwanz gereicht bekommen. Das halten die dortigen Eingeborenen nicht aus, wie auch vieles andere nicht. Selbst Knochen sind tabu. Einen amerikanischen Fernsehfilm erkennen sie nach kurzem Blick, nach wenigen Sekunden haben Sie´s raus. Warum? Die Schauspieler sehen genauso steril wie die Filmkulissen aus. Die ewig gleichen Büros, die Jalousien, die Frisuren. Alles aus der Retorte.


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vor 25 Wochen 2 Tage