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-Die Freuden vertrauter Geschenke

DDR - Bewährte, zuverlässige Geschenke

Man weiß, was man hat

Im Osten lebte dieser Charaktertyp in weiten Teilen der Bevölkerung ungebrochen fort. Der überzeugte Stasioffizier, der überzeugte Grenzer an der Mauer, und nicht nur der, sondern alle möglichen Funktionsträger, unterschied sich nur ideologisch, nicht aber charakterlich von seinem Gegenstück im Tausendjährigen Reich, und der war ja auch nicht vom Himmel gefallen, sondern ein spätestens seit Mitte des 19. Jh. favorisierter und erwünschter Typ. Besonders harte Exemplare, die fähig waren, aus ideologischen Gründen Morde zu begehen, taugten grundsätzlich auch dazu, auf Fliehende zu schießen, die nichts anderes wollten als Lebensglück, das man ihnen vorenthielt. Die Ideologien wechselten, aber die Charaktere, auf denen sie überhaupt erst gedeihen können, sind zäher und weniger rasch änderbar. Sie blieben.

Gut getaktete Neuronen

Ein gutes Beispiel für die Austauschbarkeit der Ideologien und immer wieder dieselbe emotionale Attraktion, die sie liefern, offenbart Odfried Hepp, Neonazi und -  man höre und staune -  gleichzeitig DDR-Informant, in einen Interview. Es ist wurst, ob rechts oder links, ob Wickingerjugend (Hitlerjugend) oder FDJ defilieren: Die Faszination geht vom Marschieren aus, vom Fahnenmeer, vom Gleichklang, vom Gleichschritt, dem vermeintlichen Aufgehobensein in einer Gemeinschaft, völlig abgelöst von der Ideologie dahinter. Gesang und Musik (Märsche) (1) und  dienen der Unterstützung. Hier wabert´s nur so vor Libido, ähnlich wie auch bei religiösen Großveranstaltungen oder Fußballspielen. Der Kern der Geschichte, der sich der Ratio entzieht, ist in der Kindheitsentwicklung, in der Familie, zu finden. (2)

Selbst die Uniformen der Volksarmee erinnerten an die von Wehrmacht und SS, insbesondere durch den ausgestellen Schnitt, wie bei Reithosen, selbst der alte Stechschritt lebte in etwas anderer Form weiter, hier bei der Wachablösung. Die lächerliche, auf den Zehen wippende Figur im ersten Film, von Sekunde 30-39 etwa, ist übrigens von Manstein, der vor seinem Führer paradiert bzw. stolziert. Ja, er muss etwas Besonderes an sich haben, der Stechschritt, sogar die Russen übernahmen ihn.

Platte und PappeGaloppierende Lebensfreude

Denken bewirkte im Osten auch nichts; es war eher gefährlich. Weite Teile der Bevölkerung wandten sich innerlich ab oder verharrten in Unmündig- und Unselbständigkeit, Infantilität, war doch für "alles gesorgt", Aufmucken war strafbedroht. So zogen sich viele in ihr privates kleines Glück zurück, suchten ihre Nischen, im Kleingarten, bei FKK usw. Die Sechziger Jahre, die im Westen die ganze Gesellschaft durcheinanderwirbelten, viele verkrustete Strukturen aufbrachen, die Käseglocke der Adenauerzeit hinwegfegten und mehr Freiheit brachten, gab es so in der DDR nicht.
Initiative, Erfindungsgeist lagen brach. Durchaus instandsetzungsfähige Altbauten wurden beispielsweise abgerissen und durch Plattenbauten ersetzt. Warum? Großenteils deswegen, weil schlicht das dazu nötige Material nicht mehr hergestellt wurde und auch das Wissen dazu verfiel, denn die wenigen Handwerker waren an die Kandarre genommen und durften sich glücklich schätzen, die benötigten Utensilien zu erhalten. Die Bauarbeiter taugten nur noch dazu, Platten zu Häusern zu stapeln. Die Autoindustrie, wichtiger Wirtschafts- und Innovationsfaktor im Westen, die viele Impulse in der ganzen Industrie auslöste, war nicht konkurrenzfähig.

Bestellen nicht vergessen!

Held der Arbeit - Die Genossin Stachanow im Übersupersoll

Unvergessen der Bericht eines Westlers, der in Leipzig ein Anzeigenblatt hochzog. Eines Tages erteilte er einer Mitarbeiterin den Auftrag, eine Autobatterie zu laden. Sie schnappte sich Ladegerät und Batterie und ward nicht mehr gesehen. Nach einiger Zeit vermisste man sie und suchte. Keine Spur zu finden. Ratlosigkeit. Dann stieg einer in den Keller. Da hockte sie neben der Batterie und lud sie.
Ob jemand das Zweifache der normal nötigen Zeit bei einer Aufgabe verbriet, war egal. Arbeitslos konnte man nicht werden. Die Zeit- und  Energieverschleuderung steckte im System. Fehlten mal wieder Ersatzteile oder Rohstoffe, dann war eben trozdem neben der Maschine zu stehen, und wenn´s mit dem Finger in der Nase war.

Brot und Spiele

Die Ventile dort hießen FKK bzw. Sex - Scheidung und Abtreibung waren spielend leicht zu haben - und Suff. Nicht nur in den Kaufhallen war das Zeugs überall zu finden- und zwar Hochprozentiges, Korn, Kartoffelfusel, was im Westen schon lange niemand mehr trank - sondern auch in Spirituosenläden, die alle naselang zu finden und deutlich im Vergleich zu anderen Läden überrepräsentiert waren.
FKK bzw. Nacktsein: Der Verfasser war gleich zur Wende mal am See in Leipzig-Grünau, vermutlich am Kulkwitzer See. Was er da gesehen hat, war unbeschreiblich. Es erinnerte an einen Schweinekoben, wo die Säue dicht an dicht beineinanderlagen und grunzten ... Beine gespreizt, auch Frauen, vermutlich "damit die Sonne überall schön hinkam" ... Es war augenfällig, dass hier was nicht stimmte. Das war nur krank.

Junges Gemüse, oft viel zu unreif, wurde in die Ehe getrieben, weil dann eine Wohnung lockte. Folge wie oben beschrieben.
Einen tiefen Einblick in die Produktion von Orgelpfeifen vermittelt ein gleich nach dem Mauerfall erschienenes Buch von Hans-Joachim Maaz (3), ein Meisterwerk, lesenswert für alle Eltern, damit sie wissen, wie es nicht laufen darf. Der Rechtsradikalismus im Osten hat nicht erstaunt, nein, überhaupt nicht.

Ist der Ossi eine eigene Rasse?

Nicht ganz so, weil das Wort belastet ist (es steht aber so in der Verfassung: niemand darf wegen seiner Rasse ...), aber ähnlich lautete eine Zwischenüberschrift in der Zeitung: Ist der Ossi eine Ethnie? Bemerkenswert die Klage einer Frau also, die wegen einer Ablehnung als "Ossi" vor Gericht zog. Es beweist, dass im Empfinden zwischen Ost und West deutliche Unterschiede gemacht werden. Offenbar sind die "Köpfe" in der Wahrnehmung doch kräftig auseinandergedriftet (4). 

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1) Vergleiche: Die letzten Schlachtgesänge, Von Meistersingern und Stammesritualen im Stadion, 3 Teile
2) Bei Minute 2.10 heißt es unter oben erwähnten Link von Odfried Hepp:
"Na ja, die DDR von 1983, die war schon ziemlich grau und trübe vom äußeren Erscheinungsbild her, aber von den Menschen her war ich ja eigentlich begeistert, von dieser anderen Art von Gesellschaft, eben mehr Richtung Volksgemeinschaft. Und als herausragendes Erlebnis in der Hinsicht war ja der Besuch des DDR-Pokalendspiels im Stadion der Weltjugend in Ostberlin, wo ich diese Hunderte FDJ-Ordner habe aufmarschieren sehen. Und da war ich ja nun vollends begeistert. In dieser Masse hatte ich das ja vorher nie gesehen, höchstens mal auf Bildern oder im Fernsehen. Aber diese da in natura da zu sehen und einer wie der andere, wie von der Art und vom dem Typ, wie wir sie noch nicht mal in der Wickingerjugend hatten, so ungefähr, ja, da war ich vollkommen begeistert und hab das Gefühl gehabt; Javoll ich bin hier richtig und ich gehör hier dazu." Wer den ganzen Film sehen will: Hier geht´s los. Mehrere Teile dann.

3) Der Gefühlsstau. Ein Psychogramm der DDR

4) Die Stellenbewerberin erhielt übrigens keine Entschädigung