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Archäologie: Suche nach den heideggerschen Schanzgräben

Volkssturmmann Heidegger

Sprachliche Schätze und Perlen - Sottisen und Sophismen

Das Nichts nichtet - Volkssturmphilosoph mit Schüppe

Bei Recherchen zu einer Australienseite und der Schädelsammlung an der Freiburger Uni, darunter auch solche von australischen Ureinwohnern, stieß das Ross auch auf Martin Heidegger, ehemaliger Rektor. So vage war bekannt, dass Heidegger auch mit den Nazis verbandelt gewesen war, aber im Verlauf der Nachforschungen wurde immer klarer, das er auch in die Reihe historischer Miststücke gehört wie der bereits erwähnte François Mitterrand und sein Neffe Fréderic.

Nicht, dass Heidegger etwas direkt etwas mit der Sammlung zu tun gehabt hätte, abgesehen von einer gelegentlichen physischen Nähe, denn sie liegt gerade unterhalb des Audimax, einem Ort also, wo der Philosoph gelegentlich auch das Wort geschwungen haben dürfte, sowie auch einer geistigen Nähe, denn der Philosoph liebte auch Blut und Boden.
Lange Zeit gepflegt und erweitert wurde die Sammlung von dem berüchtigen Freiburger "Rassehygieniker" Eugen Fischer, Mitgründer und zwischen 1927 und 1942 erster Direktor des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Anthropologie, menschliche Erblehre und Eugenik in Berlin. Über seinen Nachfolger Otmar von Verschuer, Chef des berüchtigten KZ-Arztes und "Zwillingsforscher" Josef Mengele, gibt es eine weitere Verbindung über dessen erste Frau nach Freiburg - feinste Adresse, die Sonnhalde 87. Sein Sohn, 1944 geboren, für den den Taten seines Vaters eine Katastrophe waren, war hier als Anwalt zunächst unter seinem Namen Rolf Mengele tätig gewesen, ließ ihn aber später ändern. In der Paralellstraße darüber, in der Eichhalde, sonnennäher geht es nicht in der Stadt, bewohnte übrigens das Ehepaar Beltracchi, das die ganze Kunstszene durch die Erfindung der "Sammlung Jäger" zum Beben brache, vor der Übersiedlung in den Knast eine Luxusvilla von 670 m2 Fläche.

Den Eingang neben dem Audimax der hehren Anstalt bewachen eindrucksvolle Skulpturen griechischer Philosophen; obendrüber prangt - heute unauffällig, aber bis Kriegsende vergoldet - in altdeutscher Schrift: "Dem Ewigen Deutschtum", angebracht in der Dreißiger Jahren .
An dieser Stätte also war der große Philosoph - und das Parteimitglied - tätig gewesen und von 21. April 1933 bis zum 27. April 1934 Rektor. Gleich nach der Machtübernahme verloren 38 jüdische Professoren ihre Lehrstühle, darunter so berühmte Wissenschaftler wie der Mediziner Siegfried Thannhauser, der Jurist Fritz Pringsheim und der Philosoph Edmund Husserl, Heideggers Mentor. Heidegger verteidigte sie nicht,  hatte er doch schon lange vor der Machtergreifung die "drohende Verjudung der Wissenschaften" erkannt. Bei Husserls Begräbnis glänzte er durch Abwesenheit.

Heidegger hatte eine ganz eigene Sprache entwickelt, die man quasi erstmal erlernen sollte, um zu verstehen, was gemeint war. Wer sein geheimnisvolles Raunen nicht kapierte, nun, der war vermutlich ein Schwachkopf. Dabei sind die Defizite doch wohl andernorts zu suchen, denn unsere Sprache hat sich zweifellos in der Auswandersetzung mit der Umwelt entwickelt, um so die Wirklichkeit abbilden zu können. Ja, sie taugt nicht nur dazu, sondern auch um Utopien, Träume, Zukunft zu entwerfen.
Bei Heidegger wimmelt es nur so vor Wortschöpfungen und Verben wie nichten, lichten, wesen. Der Wirrwarr, die Verdunklung, funktionieren allerdings so ausgezeichnet, dass z.B. selbst gestandene Kritiker den ein- und denselben Artikel, dasselbe Buch, z.B. "Sein und Zeit", sein Hauptwerk (sic!), für (Adorno) und wider (Habermas) den Nationalsozialismus interpretieren. Die Geschichte erinnert an Ganoven, die das auch tun, um ihre wahren Absichten zu verschleiern. Wer etwas zu verbergen hat, greift zu Chiffre, Geheimtinte, verklausulierter Gaunersprache, zum Rotwelschen.
Das Ganze weckt Erinnerungen an die hilflose Situation von Kindern - wie wir sie ja auch erlebt hatten - denen das Gebrabbel der Erwachenen weitgehend unzugänglich ist, und die sie schon deshalb für allmächtige, kluge Wesen halten und Achtung vor ihnen haben, weil sie sie nicht verstehen. Dass Erwachsene auch bodenlos dummes Zeugs von sich geben, ist dem armen Würmern, deren Intellekt sich ja erst noch bilden muss, nicht bewusst.
Aus dieser kindlichen Grunderfahrung rührt später auch die unglaublich Ehrfurcht vor falschen Autoritäten, Politikern und Hohl- und Dummschwätzern, die einfach nur rhetorisch gut drauf sind und denen viele sogar das Gegenteil dessen abnehmen, was objektiv ohne weiteres einsichtig ist, nur weil sie es verstehen, die Lügen glaubhauft zu vermitteln.
Heideggers schönster Spruch lautet: "Das Nichts nichtet". Der ist toll. Man kann ihn zu allen Gelegenheiten hervorzaubern: Probleme mit dem PC, entschwundene Freundin, Unfälle, Busverspätungen, Redepausen? Hah: "Das Nichts nichtet". Voilà.
Starke, intelligente und klare Worte fand der Meister bei seiner ersten öffentlichen Äußerung nach der Ausnichtung, 1949, anlässlich eines Vortrags in Bremen. Dort schwadronierte er über den Ackerbau, der jetzt als motorisierte Ernährungsindustrie, „im Wesen dasselbe“ sei wie die Fabrikation von Leichen in Gaskammern und Vernichtungslagern, dasselbe wie die Blockade und Aushungerung von Ländern, dasselbe wie die Fabrikation von Wasserstoffbomben.
Das war des Philosophen einziger Satz zum Holocaust, wo ein Wort durch entsetzliche Abwesenheit glänzt: "Jude" . 

An Herbert Marcuse schrieb er: „Zu den schweren berechtigten Vorwürfen, die Sie aussprechen 'über ein Regime, das Millionen von Juden umgebracht hat, das den Terror zum Normalzustand gemacht hat und alles, was ja wirklich mit dem Begriff Geist und Freiheit u. Wahrheit verbunden war, in sein Gegenteil verkehrt hat', kann ich nur hinzufügen, daß statt 'Juden' 'Ostdeutsche' zu stehen hat und dann genauso gilt für einen der Alliierten, mit dem Unterschied, daß alles, was seit 1945 geschieht, der Weltöffentlichkeit bekannt ist, während der blutige Terror der Nazis vor dem deutschen Volk tatsächlich geheimgehalten worden ist.“

Ferner: "1934 erkannte ich meinen politischen Irrtum, legte unter Protest gegenüber Staat u. Partei mein Rektorat nieder".
Mitnichten, glatt gelogen, s. oben! Das hätte er gern. Geschmollt hat er, denn in Wahrheit dräute es ihn wohl näher zum Führer nach Berlin. Der Rücktritt vom Amt des Rektors erfolgte, weil er seine Hochschulpolitik weder an der Uni noch bei der Partei durchsetzen konnte. Der Grund war, nicht wie von ihm später dargestellt, dass er die Hochschulpolitik der Nazis nicht hätte mittragen wollen, sondern umgekehrt, dass sie ihm nicht weit genug ging, denn er strebte eine Dozentenakademie in Berlin an, die als zentrale Einrichtung für die philosophische Schulung aller künftigen deutschen Hochschullehrer hätte zuständig sein sollen.
So hörte man folglich Mitte August 1934, Monate nach dem Rücktriff von ihm: „Das Wesen der nationalsozialistischen Revolution besteht darin, daß Adolf Hitler jenen neuen Geist der Gemeinschaft zur gestaltenden Macht einer neuen Ordnung des Volkes erhöht und durchgesetzt hat.“ Im Oktober 1933 hatte er noch getönt: „Der Führer selbst und allein ist die heutige und künftige deutsche Wirklichkeit und ihr Gesetz.“

Während er bei seiner Rektoratsrede 1933 noch wusste "...die geistige Welt eines Volkes ... ist die Macht der tiefsten Bewahrung seiner erd- und bluthaften Kräfte als Macht der innersten Erregung und weitesten Erschütterung seines Daseins", fehlte "erd- und bluthaften" in einer späteren Rechtfertigung zu seiner Rede.
Der Marburger Psychologe Erich Jaensch bezeichnete Heidegger als „einen der größten Wirrköpfe und ausgefallensten Eigenbrötler, die wir im Hochschulleben haben“.

Zurück zur Freiburger Universität: 
Heideggers geliebtes Freiburg wurde völlig genichtet, nicht durch das Nichts, sondern durch ganz konkrete Bomben beim Luftangriff der Amerikaner im November 1944. Die Stadt lag in Trümmern, so gründlich, dass die Verantwortlichen nach dem Krieg sogar den Wiederaufbau an anderer Stelle erwogen. Touristen, die heute durch die Gassen der Altstadt pilgern, wähnen sich oft in einer "mittelalterlichen" Stadt. Weit gefehlt. Freiburg ist ein hohler Zahn, was alt aussieht, eine perfekte Illusion. Mittelalterlich sind ein wenige Reste, paar Kellermauern und die Unterteile der Stadttore, ansonsten verhält es sich wie bei der Originalgoldgräberspitzhacke, die der Amerikaner seinen Besuchern aus Europa stolz als Erbstück seines ersten Urahnen der ersten Stunde vorführt: siebenmal wurde der Stil gewechselt, fünfmal das Haueisen ... 

Als nun alles ausgenichtet hatte, wobei Heidegger sich der also Aussortierung anderer rassisch Minderwertiger aus dem Lehrkörper seiner Uni nicht entgegengestellt sondern bei der Gleichschaltung mitgemacht hatte, konnte man den Spruch an der Fassade auch nicht wegkriegen, denn wie immer man die Lettern hätte füllen wollten, immer wären sie durch andere Färbung aufgefallen und hätten den Schaden verschlimmert. Dabei hatte Heidegger Glück, dass die Köpfe so manch anderer nicht auch noch an seiner Uni sondern bei einem anderen Schädelsammler namens August Hirt gelandet waren.

Spurensuche: Wo stecken sie bloß, die heideggerschen Panzergräben?

Der Führer dankte Heidegger für sein Engagement übrigens dadurch, dass er den Opa mit 55 Jahren zum Volkssturm einziehen, ihm eine Schippe in die Hand drücken und ihn derart bei handfesten Schanzarbeiten "drüben am Rhein" philosophieren hieß. Höhepunkt der Schmach: Bei der Dreiteilung der Dozentenschaft in Ganz-, Halb- und Unentbehrliche fiel er nämlich in die Gruppe der Ganz-Entbehrlichen. Ein Nichts, wie der Führer meinte.

Das Ross wird ein nettes Päckchen auf Heideggers Grab in Meßkirch deponieren.

Martin Heidegger

 Mit großem Interesse habe ich obigen Beitrag gelesen. Meine Meinung über Heidegger ist:

Heidegger wollte neue Wege des Denkens finden, die er über neue Sprachformungen (Neologismen) definierte und zum Ausdruck bringen wollte. Die Frage, die sich mir stellt, ist, ob dies für die Suche nach WAHRHEIT, nach der doch die Philosophie letztlich strebt, hilfreich ist. Vielleicht ist die Denkweise Heideggers die einzig wahre, oder es führt ein ganz anderer Weg zur Wahrheit. Ich glaube,dass es keine absolute Wahrheit gibt, da es überhaupt nichts Absolutes sondern "nur" Relatives gibt, da alles (Materielle und Immaterielle) miteinander in Beziehung steht. 

Philosophie ist überall und alles, unser ganzes Leben. Jede noch so alltägliche, banale Situation hat eine philosophische Dimension (und ist insofern eigentlich gar nicht mehr banal). Deshab ist Philosophie eine lebendige Wissenschaft, die von einigen Vertretern jedoch derart abstrahiert wird, dass ihr alles Lebendige genommen wird und sie - zumindest von Nicht-Geisteswissenschaftlern -  nur noch als lebensfremde, abstrakte Wissenschaft wahrgenommen wird.

Ich glaube, Heidegger gehört zu diesen Vertretern, Hegel auch. Oder ich bin einfach zu blöd, um deren Theorien zu verstehen.

Wittgenstein dagegen finde ich recht zugänglich, insbesondere wenn er sagt, dass man über Dinge, die es nicht gibt, nicht zu reden braucht.

Armin, was meinst du ?

Tschüß

Marina